Der Irrtum mit der Komfortzone
- B K

- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Ich habe schon oft über Jusha geschrieben.
Meine schwarze Hündin, inzwischen neun Jahre alt.
Früher war sie eher hektisch, dabei gleichzeitig vorsichtig. Schnell beeindruckt von Menschen, wenig standfest in Hundebegegnungen, sobald Druck entstand.
Über lange Zeit habe ich versucht, sie genau dort hin zu begleiten, wo ich ihr Potential gesehen habe:
mehr Klarheit, mehr Abgrenzung, mehr Präsenz.
Denn Weiterentwicklung - so habe ich es verstanden - findet außerhalb der Komfortzone statt.
Gerade durch die Persönluchkeitsanalyse bei HSS® wusste ich, was in ihr angelegt ist. Ich wusste, wozu Hunde dieses Typs fähig sind. Und ich wollte, dass sie dorthin kommt.
Nur: es funktionierte nicht.
Im Gegenteil, Jusha zog sich zum Teil eher noch weiter zurück.
Rückblickend wenig überraschend - denn ich habe Druck aufgebaut, auch wenn er gut gemeint war.
Irgendwann habe ich mich damit abgefunden.
Vielleicht wollte oder konnte sie sich einfach nicht so etwickeln, wie ich es mir gewünscht hatte.
Und dann kam Taron.
Ein Welpe, als dritter Hund in unserem System. Ein leiser Gedanke war da: Vielleicht bringt genau das noch einmal Bewegung hinein. Vielleicht wächst sie über sich hinaus.
Am Anfang sah es nicht danach aus.
Sie ignorierte ihn viel, ließ vieles mit sich machen, ohne sich klar zu positionieren.
Und dann begann etwas zu kippen.
Nicht plötzlich, nicht spektakulär.
Aber stetig.
Je vertrauter die beiden wurden, je sicherer ihr Miteinander wurde - desto mehr begann Jusha zu wachsen.
Und je mehr auch wir aufgehört haben, etwas von ihr zu wollen.
Heute steht sie anders da. Klarer. Ruhiger. Selbstverständlicher.
Und genau an diesem Punkt ist mir ein Satz wiederbegegnet, den ich selbst oft gesagt habe:
"Weiterentwicklung findet nur außerhalb der Komfortzone statt."
Und ich merke: Für das Nervensystem stimmt das so nicht!
Ein Nervensystem entwickelt sich nicht durch Druck.
Nicht durch ständiges Überschreiten von Grenzen.
Und schon gar nicht, wenn es sich bereits im Überlebensmodus befindet.
Kapazität entsteht nicht durch "mehr aushalten".
Sondern durch Sicherheit.
Durch ein Umfeld, das trägt.
Durch Beziehung, die verlässlich ist.
Durch die Möglichkeit, bei sich zu bleiben - auch wenn etwas Neues dazukommt.
Erst dort beginnt echte Entwicklung.
Nicht außerhalb der Komfortzone.
Sondern aus ihr heraus.
Der Schritt nach außen wird erst möglich, wenn innen genug Stabilität da ist.
Das ist für mich eine Erkenntnis, die meinen Blick noch einmal verschiebt.
Auf Jusha. Auf Taron.
Und auf das, was wir oft als Förderung oder Training bezeichnen.





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