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Die Sache mit den tollen Tipps

9. Juli
5 Min. Lesezeit

Das wird jetzt ein bisschen Mecker-Text. Aber ich muss es mir irgendwann einfach mal von der Seele schreiben.

Wenn’s euch nicht interessiert, kein Problem, dann gerne einfach mal skippen.


Taron ist jetzt ein gutes Jahre bei uns.

Viele haben es mitbekommen, der Anfang war schwer, er ist auch jetzt gar kein einfacher Hund.

Bis zu einem gewissen Grad haben wir das einkalkuliert, aber durch seinen Klinikaufenthalt und meinen „Unfall“ wurde es einfach nochmal schwerer.


Ich bin auch ganz ehrlich damit, dass es noch lange nicht alles gut ist mit ihm. Im Gegenteil, viele Situationen sind noch komplett undenkbar und überfordern uns momentan noch immer.


Wenn ich Leuten von Taron erzähle, beschönige ich nichts.

Nicht, um möglichst viel Drama darzustellen oder Mitleid, Mitgefühl oder irgendwas einzufahren, sondern einfach, um es realistisch darzustellen.

Ich will auch keine Tipps oder Anleitungen, niemanden, der die Arbeitsmütze aufsetzt und die Probleme für mich löst.


Grundsätzlich mache ich mir wirklich viele Gedanken, wie wir den Weg mit Taron gehen, was wir machen, was nicht, was hilft, was nicht.

Meine Hundetrainerausbildung im Hintergrund will ich dabei gar nicht groß thematisieren, aber sie ist natürlich dabei auch ein Faktor.

Nicht zu vergessen der regelmäßige Austausch mit mehreren Hundetrainerinnen in meiner Hundebubble, denen ich wirklich vertraue!


Was ich in einem Gespräch über Taron beobachte, und das wirklich häufig, nicht nur vereinzelt, ist blankes Entsetzen bei meinem Gegenüber.

Über einen Hund, der groß und stark und wild ist.

Der sich nicht einfach mal schnell begrenze lässt.

Der einen starken eigenen Willen hat und auch durchaus gewillt ist, sich nicht alles gefallen zu lassen.


Obwohl ich meistens echt sachlich bleibe, sind die Leute ziemlich geschockt. 

Ich kann das bis zu einem gewissen Grad auch total verstehen, denn das Bild, welches von diesem Hund in ihrem Kopf vielleicht entsteht, möchten sie nicht in der Gesellschaft sehen.


Ich weiß nicht, ob es dann aus dieser Angst heraus entsteht, aber oft folgen dann wahlweise Sätze wie:

Das darfst du ihm nicht erlauben.

Da musst du aber dran arbeiten.


Es kommen oft sogar konkrete Trainingstipps, die leider genauso oft aus dem vorherigen Jahrhundert sind oder Standard-einfach! Rütteldose und Wasserspritze sind auch oft dabei.

Alles bestimmt gutgemeinte Ratschläge… naja…


Ich frag mich dann immer, was glauben die Leute eigentlich, was ich mache?


Wer mich ein bisschen kennt weiß, dass sich in meinem Leben viel um die Hunde dreht, dass ich mir wirklich viele Gedanken mache und tatsächlich auch schon viele Dinge versucht habe, die für mich Sinn ergaben. 

Dass ich auch durchaus fachlich gebildet bin.


Wenn ich dann den Tipp bekomme, den Hund dann zB bei Besuch „doch mal anzuleinen“, dann frage ich mich, ob die Menschen wirklich glauben, dass ich das noch nicht probiert habe. Dass ich nicht alles mögliche schon durchdacht oder ausprobiert habe, um besser mit diesem herausfordernden Hund zurecht zu kommen.


Und Leute, wenn das dann nicht die Lösung war, dann hatte das einen Grund! 


Ehrlich! Was glaubt ihr denn, was ich in meinem Kopf immer wieder hin und her denke.

Glaubt ihr, ich wäre nicht selbst schon auf (fast) alles gekommen, was ihr mir vorschlagt?


Und wenn ich das nicht anwende, dann hatte ich damit entweder keinen Erfolg, oder es

geht gegen meine innere Überzeugung, wie mit einem Hund grundsätzlich umgegangen werden sollte.


Meist versuche ich es auch zu erklären, dass Taron eben kein Hund ist, dem man einfach sagt „lass das“ und er senkt devot den Kopf und lässt es.

Dass er einen wirklich starken eigenen Willen hat.

Dass dieser Hund, wenn man nur platt auf ihn drauf haut, sich tatsächlich gegen den eigenen Menschen wenden könnte.

„Ohhh… der Hund hat dich schon mal angeknurrt? Der hat sich steif gemacht, als du ihm was wegnehmen wolltest? DAS darf der aber nicht!!!“


Echt??? Glaubt ihr, ich finde das gut? Könnt ihr euch nicht vorstellen, dass ich da nicht auch schon meine Erfahrungen mit ihm gemacht habe und natürlich interessiert daran bin, dass der Hund sich Grenzen setzen lässt?


Aber so einfach ist das nunmal nicht. Nicht mit allen Hunden. Nicht mit Taron.


Es gibt die Hunde (davon habe ich auch zwei), die den Menschen fast automatisch als Respektsperson ansehen. Und die sich grundsätzlich fügen, wenn der Mensch ihnen etwas verbietet.


Es gibt aber eben auch die anderen, wie wo der Mensch nicht automatisch etwas zu sagen hat.

Wo man sich erstmal als „weisungsbefugt“ beweisen muss.

Wo man erstmal und sehr stark an der Beziehungsstruktur arbeiten muss, um überhaupt ernst genommen zu werden.


Und die, die aufgrund ihrer eigenen Persönlichkeit nicht leicht zu lenken sind. Die Widerworte haben.

Die sich nicht einfach so was sagen lassen.


Und die, die auch in der Begrenzung einen gewissen Respekt vor ihrem Wesen einfordern. 


Es gibt sie eben, diese Hunde - auch wie Taron!


Und ja, in meiner Welt dürfen sich die Hunde bis zu einem gewissen Grad auch verweigern.

Der Hund darf nein sagen, wenn er etwa nicht will.

Er darf seinen Unmut äußern, wenn ihm etwas nicht gefällt.

Er darf mich dann auch mal anknurren.


Was nicht heißt, dass ich mir alles gefallen oder mich sogar einschränken oder beschädigen lassen. 

Was aber heißt, dass Hunde absolut das Recht haben, respektvoll und an ihre Persönlichkeit angepasst behandelt zu werden.


Wie viele Hunde erdulden übergriffiges Verhalten durch den Menschen?

Bei wie vielen sieht man körpersprachliche Signale, dass ihnen etwas nicht gefällt, sie sich mit etwas sehr unwohl fühlen?

Wie viele lassen sich das ein Leben lang gefallen und sind einfach so nett und werden nicht deutlich?

Das fällt vielen Menschen kaum auf und andere meinen, das muss so sein.


Und dann gibt es eben Hunde, die zeigen, wo ihre Grenzen sind.

Die beschwichtigen nicht so ausdauernd, sondern machen sich dann ich mal steif.

Die knurren dann auch mal.

Die schnappen auch mal.

Eben Hunde - auch wie Taron!


Aber das erzeugt groß aufgerissene Augen bei den Menschen. Entrüstung! DAS darf der aber nicht! So dürfen Hunde nicht sein!


Viele Hunde sind aber genau dahin gezüchtet.


Taron ist ein Altdeutscher Hütehund.

Diese Hunde müssen sich der Schafherde gegenüber durchsetzen.

Die dürfen nicht zurückzucken, wenn ein Bock sich mal zu ihnen umdreht und den Kopf runter macht.

Die müssen den Schafen in die Fersen schnappen, wenn die nicht spuren und nicht erst fragen, ob es genehm ist.


Da kann ich hier beim Grenzen setzen nicht immer doller werden, damit es mal ankommt.

Denn so will er nicht behandelt werden und das macht er - selbst mit noch nicht mal 2 Jahren - sehr deutlich! 


Er ist grundsätzlich ein Hund, der alles richtig machen will. Das merke ich immer wieder. Aber manchmal muss man ihm die Zeit geben, sich auf etwas einzulassen. Eine Grenze auch anzunehmen. 

Und manchmal kommen wir auch noch nicht wirklich zu ihm durch. Dann brauchen wir Management, was auch manchmal bedeutet, Situationen zu verlassen oder zB Besuche noch nicht kommen zu lassen.

Das wird sicher auch noch ein langer Weg, auf dem ich noch sehr viel überlegen muss, wie ich was mache.


Bis dahin will ich von Menschen, die sich da nicht wirklich reinversetzen wollen oder können keine 08/15 Hundefüsterer-Tipps mehr!

Die habe ich jetzt auch alle schon gehört.

Danke fürs Zuhören!


 
 
 

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